Salzburger Präventionsfrühstück Nummer 12:

 

Mit dem Thema „Hangover. Alkohol < > 16“ 

machte die Fachstelle Suchtprävention das Dutzend voll und lud zu Vortrag, Expertenbeiträgen und Vernetzung ein.

Die rund 60 TeilnehmerInnen erwartete dazu:

  • Vortrag von Primar Dr. Hannes Bacher, Facharzt für Psychiatrie, Präsident des LPH Salzburg
  • Expertenbeiträge von Mag. Eva Maria Schwarzenbacher, leitende Psychologin beim Landesverband für Psychohygiene und
  • Mag. Andreas Gatsch, Klin. und -Gesundheitspsychologe beim Psychosozialen Dienst, Stv. Leiter
  • Fachaustausch & Vernetzung – bei Kipferl & Kaffee und einem genussvollen Frühstücksbuffet


„Jugendschutz ist für die Fisch´. Bier vorm Mopedfahren ist nicht schlimm, merkt eh keiner. Ohne Helm fahren geht gar net, des merkt ma. Drogen sind arg. Zum Fortgehn mitm 6er-Tragerl im Zug Vorglühn ist normal. Sonst? Tschüs.“ 
PflichtschülerInnen

Riskante Konsummuster haben bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen vielerorts zugenommen, besonders durch Entwicklungen wie exzessives (Binge-Drinking) oder leiseres Trinken (Vorglühen).
Dass diese tatsächlich nicht zu bagatellisieren sind und wann bei „schädlichem Gebrauch“ Gefährdung droht, erläuterte Dr. Hannes Bacher in seinem Vortrag. Die Folgen von übermässigem Alkoholkonsum im Jugendalter können schulischer Leistungsabfall, Depressionen und Wahnvorstellungen, Sprachstörungen und das Risiko einer körperlichen Abhängigkeitsentwicklung sein. Nicht zu vernachlässigen ist auch der Umstand, dass Jugendliche im Alter von 13-17 Jahren mit problematischem Alkoholkonsum signifikant häufiger zu Gewalttaten neigen.
>> Vortrags-PDF H. Bacher >>

Mag. Eva Maria Schwarzenbacher leitet beim Landesverband für Psychohygiene – kurz: LPH - das so genannte 90er-Haus zur stationären Behandlung alkoholkranker Männer. Diese Männer – mit Schwerpunkt 40-50-Jährige, die zumeist ihr Leben lang hart gearbeitet und viel getrunken haben - lernen hier ein Leben ohne Alkohol; vor allem lernen sie auch Vieles über sich selbst und ihre vernachlässigten emotionalen Seiten. Zu den Erfolgsfaktoren der Behandlung zählt Frau Schwarzenbacher: Uneingeschränkte Wertschätzung und die Behandlung als Mensch (und nicht als Trinker), eine Haltung der Hoffnung und Zuversicht, dass der Patient es (diesmal) schafft, Reden lernen über Probleme, Ansprechen statt Konsequenzen und die Rückgabe von Selbstverantwortung, alles nach dem Motto „Du schaffst es nicht alleine, aber du wirst es ganz alleine schaffen!“.
Und was sagen „trockene Alkoholabhängige“, was sie frühzeitig und präventiv vor dieser Art „Karriere“ bewahrt hätte? Aufklärung über und Entbagatellisierung von Alkohol, Selbstwertstärkung und Kommunikationsfähigkeit, die Bereitschaft, sich helfen zu lassen, besser kontrollierter Jugendschutz, Freizeit & Freunde, Werbeverbot für Alkoholika und insgesamt mehr Unterstützung für die Familie (in der häufig bereits ein Elternteil Alkoholprobleme hatte).
>> Homepage LPH >>

Mag. Andreas Gatsch stellte als stellvertretender Leiter des Psychosozialen Dienstes des Landes (vormals Sozialmedizinischer Dienst) die Aufgaben dieser Einrichtung vor, die grundsätzlich für alle Suchtformen zuständig ist. Wichtig ist, vor allem Einsicht bei KlientInnen aufzubauen, sodass sie bereit sind für Entzug/Entgiftung und nachfolgende Behandlungsschritte (wie z.B. die Unterbringung im 90er-Haus). Auch kümmert sich der PSD um die Festigung der Abstinenz mit Hilfe von Nachsorgegruppen. Wichtig sind in der Praxis auch Hausbesuche, um das Umfeld von Menschen mit Suchtproblemen besser abschätzen und eine geeignete Strategie entwickeln zu können.
In Bezug auf Jugendliche wundert den erfahrenen Klinischen- und Gesundheitspsychologen die hohe Erwartungshaltung bezüglich Alkohol: Sie ist bereits bei 13-Jährigen erstaunlich positiv und setzt sich fort in Konsum als Stimulanz, Belohnung, Trost usw. Kritisch zu sehen ist, dass vielen Jugendlichen Erwachsene mit Vorbildfunktion fehlen, dass Werbung exakt auf Junge abzielt und umso mehr in manchen Peergroups die Devise des „Komasaufens“ läuft: Komm a Saufn!
Im Rahmen seines Beitrages sprach der Experte auch an, dass es zwar ausreichend Beratung für junge Menschen mit Alkoholproblem gibt; was jedoch – in Salzburg und Österreich überhaupt - fehlt, ist ein stationäres (oder auch berufsbegleitendes) Entwöhnungsangebot, das auf die speziellen Anforderungen für Jugendlichen und jungen Erwachsenen zugeschnitten wäre.
>> Homepage PSD >>

In der anschliessenden Diskussion berichtete beispielsweise Michael Burghardt vom Landesberufsschülerheim in Hallein, über Probleme - aber auch eine Ratlosigkeit - mit stark alkoholisierten Jugendlichen: Das Krankenhaus fühlt sich nach der Behandlung nicht weiter zuständig - die JugendbetreuerInnen oftmals überfordert und allein gelassen.
Simon Hofbauer, LT-Abg. der Grünen, ging ein auf die Ursachen von riskantem Trinken und betonte dazu die Bedeutung sozialer Bindungen und von Zugehörigkeitsgefühl; vom generellen Abwerten des Rausches durch moralisierende Botschaften hält der Jungpolitiker wenig, weil die jungen Zielgruppen damit nicht anzusprechen sind.

Die TeilnehmerInnen erhielten Anregungen und neue Materialien für ihre tägliche Arbeit mit Jugendlichen; so wurde der Klarsicht!-Koffer vorgestellt (danke an Frau Ottmann vom Landratsamt in Traunstein!), der mit Spaß und großem Sachwissen bei allen Beteiligten punktet (Interessierte daran bitte bei akzente melden).

Zum Schluß erhielten alle Gäste die Broschüre „Über Alkohol reden. Was Eltern wissen sollten!“ ausgehändigt.

Das Team der Fachstelle dankt allen treuen und neuen Gästen – TeilnehmerInnen aus Jugendarbeit,  jugendnahen Berufen und aus Beratung – für ihr Interesse und ihre Verbundenheit!


Eine Veranstaltung der Fachstelle Suchtprävention
in Kooperation mit dem Landesverband für Psychohygiene und dem Psychosozialen Dienst Salzburg


Informationen und Rückfragen
akzente Fachstelle Suchtprävention im Land Salzburg
Mag. Nicole Rögl-Höllbacher, Leiterin
n.roegl@akzente.net
0662/84 92 91-41
www.akzente.net/suchtpraevention
Wissen was wirkt – wir schaffen das Know-how für ein suchtfreies Leben!

 

 

Wissenswertes

bacher
Prim. Dr. Hannes Bacher

Download: Vortrag
Jugend & Sucht

Über alkohol
Download der Fachstelle Oberösterreich:

Über Alkohol reden!
Was Eltern wissen sollten

Xact
Download der Fachstelle Oberösterreich:

x.act Alkohol
Suchtprävention in der Schule