15. PräventionsFrühstück


„Schmerz!?Selbstverletzungen im Jugendalter“

am Mittwoch, 1. März 2017, um 9.00 Uhr

Fast ein Viertel aller Jugendlichen hat psychische Probleme, die sichtbar werden zum Beispiel in Angst- und Essstörungen, im ADHS-Syndrom und eben durch selbstverletzendes Verhalten.
Das erste Präventionsfrühstück des Jahres widmete sich den vielen Facetten eines Problems, das gar nicht wenige junge Menschen betrifft.

Ins Thema führte Mag.a Aline Halhuber-Ahlmann, Geschäftsführerin des Frauengesundheitszentrums Salzburg und zeigte interessante sozio-kulturelle Zusammenhänge auf: demnach haben Menschen seit jeher  – ob aus religiösen oder anderen Überzeugungen – schmerzhafte rituelle Akte an sich vorgenommen für ein sogenanntes höheres Ziel; die Selbstgeißelungen christlicher Märtyrer sind zu nennen, in manchen indigenen Stämmen wurden den jungen Leuten Zähne zugefeilt, Hautpartien dauerhaft markiert. „Wo sind die Unterschiede – aber auch Gemeinsamkeiten zwischen klösterlichen Diätakten durch Novizinnen und den Essstörungen so vieler heutiger Mädchen? Wie stehen Alkohol- und Fitnessexzesse, Bodymodifikation und das Ritzen von Hautpartien zueinander? Auffallend ist jedenfalls für mich: Immer muss Blut fliessen….!“, meint Hahlhuber-Ahlmann zu diesem archetypischen Umstand und sieht in der Selbstverletzung auch Vorgänge der Selbstermächtigung und die Zusammenhänge zwischen Macht und Ohnmachtserfahrungen.
Die Angebote des Frauengesundheitszentrums Salzburg bieten Rat und Hilfe, sowohl für Betroffene als auch Angehörige - zum Beispiel von Essstörungen, siehe > www.frauengesundheitszentrum-salzburg.at

In ihrem Vortrag erläuterte Univ. Prof.in Dr.in Kathrin Sevecke, Direktorin der Univ.-Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie Innsbruck, die psychiatrische Definition des sogenannten Nicht-suizidalen selbstschädigenden Verhaltens, kurz NSSV laut DSM-5-Klassifikation.
Dieses ist laut vorliegender Daten im Zunehmen begriffen: So erfüllt in einer Klasse mit 25 Jugendlichen eine/r die NSSV-Kriterien, jedoch haben sich 2-3 im vergangenen Jahr selbst verletzt und bis zum Erwachsenenalter werden dies 6 tun. Kein „randständiges“ Problem also, dessen Ursachen Prof. Sevecke sieht in:

  • Erleichterung von negativen Gefühlen (z.B. nach Gewalterfahrungen) und eines angespannten kognitiven Zustandes
  • interpersonellen Schwierigkeiten mit dem Umfeld und um
  • in positive Gefühlszustände zu kommen.

Daraus kann ein repetitiver, ritueller Zirkel entstehen, von der Gewohnheit bis zu regelrechten Sucht.
Schutz bieten nach Meinung der Expertin vor allem Gleichaltrige und gute Netzwerke, insofern stellt soziale Isolation ein Risiko dar, ebenso wie Komorbidität bei dahinterliegender Depression oder Borderlinestörung.
Aufmerksamen Begleitpersonen dieser Jugendlichen empfiehlt Prof. Sevecke „nicht-erschrockene“ Reaktion und Wundversorgung, Beziehungs- und Hilfsangebote.
Gerade wenn es sich um eine entwicklungsbedingte „Adoleszentenkrise“ handelt, ist „Druck rausnehmen“ die oberste Devise: keine übermäßigen Kontrollen und Ultimaten, aber auch nicht übertriebene Fürsorge. Und an Schulen auch keine „Infostände“ – das fördert Nachahmeffekte! Deshalb ist es an der Klinik auch strikt untersagt, frische Verletzungen zu fotografieren und zum Beispiel in sozialen Netzwerken zu verbreiten – also Grenzziehungen machen Sinn.

Vortrags-Download hier >>

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Fachaustausch & Vernetzung: siehe Bildergalerie >>


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