16. PräventionsFrühstück


Das 16. Präventionsfrühstück „Love it – or leave it?” am 11. April 2018
widmete sich der Frage, wie man bei Menschen mit riskantem Alkoholkonsum Veränderungen fördern kann, damit sie selbstgewählte Ziele zufriedenstellend erreichen.
Informationen zu neuen Behandlungskonzepten bei Abhängigkeitserkrankungen boten Diskussionsstoff mit den anwesenden Fachleuten aus Suchtberatung, Sozialwesen und Jugendarbeit.

Soziallandesrat Dr. Heinrich Schellhorn wünschte in seiner morgendlichen Begrüßung den TeilnehmerInnen viel fachlichen Gewinn aus diesem Vormittag: „Seit nunmehr fünf Jahren besuche ich das Präventionsfrühstück und erlebe die Vorträge und die anregenden Gespräche mit den Gästen jedes Mal als Bereicherung; gerade als Politiker ist das Wissen darum, wo die Fachleute aus Forschung, Beratung und Prävention stehen, wichtig für das eigene Handlungsfeld. Aktuell stellen wir die Suchthilfe im Land auf neue Beine, um mit einer integrierten Versorgung künftig mehr suchterkrankte Menschen mit unterstützenden Angeboten zu erreichen.“

Vor seinen Vortrag stellte Referent Dr. Rudolf Klein – Sozialpädagoge, Systemischer Therapeut und Buchautor aus Merzig in Deutschland – ein Buchzitat: „Sie hatte zwei unwiderlegbare Gründe, sich zu Tode zu trinken: Das, was geschehen war – und das, was nicht“. Die langjährige Erfahrung des Experten schließt daran an: „Aus ihren Vorgeschichten heraus existieren bei Betroffenen viel Schuldbewusstsein für ihr Leben, auch für ihr Trinken, zudem gibt es Schamgefühle, weil sie mit Vielem gescheitert sind – etwa mit dem Versuch zur lebenslangen Abstinenz. Wenn man diesen Menschen mit Würde begegnet, ihre je eigene Geschichte als „Überlebensstrategie“ begreift und sie dann zu ihren individuellen Zielen bezüglich ihres Trinkverhaltens therapeutisch begleitet, geschehen erstaunliche Dinge. So möchten anfangs nur 30% meiner KlientInnen künftig alkoholfrei leben und 70% ihre Alkoholmenge zum Beispiel reduzieren. Am Ende eines persönlichen Transformationsprozesses – in der ein Mensch die Zuversicht zu einer tragfähigen, neuen Lebensstruktur gefunden hat - drehen sich diese Anteile um; mehr meiner KlientInnen entschließen sich – dank der Wahlfreiheit - zu einer alkoholfreien Lebensführung und insgesamt geschehen gesündere, lebensbejahende Veränderungen.“
Vortrags-PDF R. Klein >>

Dem schloss sich Dr. Alexander Schorb, Leitender Oberarzt der SALK-Uniklinik Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in seinem Beitrag an: „Wir arbeiten mit unseren PatientInnen am gesunden Überleben, und zwar über Reduktion von Dosierungen, mit Motivation und zieloffener Behandlung. Mittels differenzierter Diagnostik werden gemeinsam individuelle Ziele vereinbart unter Berücksichtigung von Komorbiditäten. Auch die Persönlichkeitsstruktur erfassen wir, um die Behandlungserfolge und die Zufriedenheit zu erhöhen“.
Kontakt Uniklinikum Salzburg >

Ergänzend dazu stellte Suchtkoordinator Dr. Franz Schabus-Eder Details des „Rahmenplans Suchthilfe im Land Salzburg“ vor, der innerhalb der nächsten Jahre umgesetzt werden soll.
Ziel ist die Erhöhung der In-Treatment-Rate, um mehr Menschen mit Sucht(mittel-)problemen mit passender Behandlung zu versorgen; vor allem schon in jungen Jahren, bevor die Probleme sich verfestigen und häufen. Dazu wird es künftig auch mehr ambulante, teilstationäre Angebote und systematisierte Versorgung geben; denn von den (nur) 5% behandlungsbereiten Alkoholabhängigen sind wiederum nur 1% in stationärer, abstinenzorientierter Therapie. Deshalb gilt auch hier die zieloffene Haltung, um zeit- und ortsnahe Hilfestellung annehmbarer zu gestalten.
PDF F. Schabus-Eder >>
Rahmenplan Suchthilfe Salzburg >  

Mag. Anne Arends vom Team der akzente Fachstelle Suchtprävention gab erste Einblicke in ein neues Gruppenprojekt für junge Menschen, in dem sie als Trainerin fungiert: „SKOLL-Selbstkontrolltraining“ wird organisiert von der Suchthilfe-Salzburg-GesmbH und bedeutet für die Teilnehmenden, während 10 Wochen in strukturierten, knappen Einheiten an selbstbestimmten Konsum- und Verhaltenszielen zu arbeiten. Die Offenheit der Trainerin sowie die Feedbacks untereinander bewirken positive Effekte und geben Zeit, Veränderungen reifen zu lassen.
Diese Haltung bewährt sich grundsätzlich im Kontakt mit Jugendlichen, denn: „Wenn Jugendliche mir in unseren Workshops Dinge – auch problematische – erzählen können, ohne dass ich gleich entgeistert reagiere oder mich provoziert fühle, dann können wir Probleme früher abfangen. Wir wenden einfach eine andere Art des Denkens an, fragen weniger, was ist gut oder schlecht, sondern was ist hilfreich und was nicht?“, so die akzente-Mitarbeiterin.
SKOLL in Salzburg >

Fachstellenleiterin Mag. Nicole Rögl-Höllbacher begründete die Wahl für das Thema: „Nur 5 bis 10 Prozent von Menschen mit behandlungsbedürftigem Alkoholkonsum erscheinen in einer Beratungsstelle und sind bereit zu einer Therapie. Offenbar gibt es zu viele Vorbehalte und Ängste vor einem abstinenten Leben, vor dieser bedrohlichen Entscheidung zwischen Entweder – Oder, Für oder Wider. Man weiß jedoch, dass viel mehr Menschen bereit wären, ihr Konsumverhalten zu hinterfragen, wenn auch andere Wege – zum Beispiel Reduktion der Trinkmenge – akzeptiert werden. So ließe sich viel Leid in den Familien verkürzen oder gar verhindern, vor allem für betroffene Kinder und weitere Angehörige.“

Fachaustausch und Vernetzung bei Kaffee und einem genussvollen, selbstgemachten Frühstücksbuffet rundeten die Veranstaltung ab.

Fotogalerie>>

 

 

akzente Fachstelle Suchtprävention im Land Salzburg

Glockengasse 4c

5020 Salzburg

Tel: 0662/84 92 91-44

suchtpraevention@akzente.net

www.akzente.net/suchtpraevention


akzente Fachstelle Suchtprävention

Wissen was wirkt – Gemeinsam für ein suchtfreies Leben! 
0662/84 92 91-44, suchtpraevention@akzente.net

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